The Bitter Lesson
Rich Sutton blickt auf siebzig Jahre KI-Forschung zurück und zieht einen Schluss: Allgemeine Verfahren, die immer mehr Rechenleistung nutzen, Suche und Lernen, haben das von Hand eingebaute Wissen der Forschenden noch jedes Mal geschlagen.
Was du lernst
Aus diesem kurzen Essay nimmst du mit, warum KI eher durch Größe als durch Raffinesse besser wird, und kannst danach:
- die bittere Lektion in einem Satz wiedergeben und die beiden allgemeinen Verfahren nennen, die Sutton meint, Suche und Lernen
- an Schach, Go, Spracherkennung oder Bilderkennung erklären, warum eingebautes menschliches Wissen zuerst geholfen und den Fortschritt später gebremst hat
- sagen, was aus der Lektion für Sprachmodelle und Agenten folgt und wo sie an Grenzen stoßen könnte
Rich Sutton, einer der Begründer des Reinforcement Learning und Träger des Turing Award 2024, hat diesen Essay im März 2019 auf seiner eigenen Webseite veröffentlicht. Er ist kaum zwei Seiten lang und gehört zu den meistzitierten Texten über KI, weil er in wenigen Absätzen erklärt, warum sich das Fach so entwickelt, wie es sich entwickelt.
Das Argument
Sutton geht von einer Beobachtung aus, die sich durch die ganze Geschichte der KI zieht. Forschende versuchen immer wieder, ihr Wissen über ein Problem in ihre Systeme einzubauen: wie ein Schachmeister denkt, wie Wörter aus Lauten bestehen, aus welchen Kanten und Formen ein Gegenstand auf einem Bild besteht. Das hilft zunächst und ist für die Forschenden befriedigend, aber früher oder später überholt es ein Verfahren, das viel weniger weiß, weil es die wachsende Leistung der Rechner nutzen kann. Zwei Arten von Verfahren wachsen auf diese Weise mit: die Suche, die weit mehr Möglichkeiten ausprobiert, als ein Mensch könnte, und das Lernen, das die Muster in Daten selbst findet.
Seine Beispiele sind die bekannten Meilensteine:
- Schach: Deep Blue schlug Garri Kasparow 1997 mit gewaltiger Suche, zum Verdruss der Forschenden, die das menschliche Verständnis des Spiels nachgebildet hatten.
- Go: Zwanzig Jahre später geschah dasselbe im Go, diesmal durch Lernen aus Partien gegen sich selbst.
- Spracherkennung: Statistische Verfahren setzten sich gegen Systeme durch, die auf menschlichem Wissen über Wörter und Laute beruhten, und später gewann Deep Learning mit noch weniger davon.
- Bilderkennung: Von Hand entworfene Merkmale wie Kanten wichen neuronalen Netzen, die ihre Merkmale selbst lernen.
Bitter ist die Lektion, weil sie bedeutet, dass das Wissen, auf das Forschende stolz sind, auf lange Sicht weniger zählt als die Rechenleistung, die sie für ein Problem aufbringen können. Suttons Schluss lautet, Verfahren zu bauen, die die Komplexität der Welt selbst entdecken, statt unser eigenes Bild von ihr einzubauen.
Warum es hierher passt
Der Essay erklärt, warum Sprachmodelle immer größer werden und warum ein Modell, das einfach mit mehr Daten und mehr Rechenleistung trainiert wurde, oft ein raffinierter entworfenes schlägt. Er hilft auch bei Agenten: Ein Rahmen voller handgeschriebener Regeln und Schritt-für-Schritt-Anweisungen mag heute funktionieren, während die bittere Lektion vorhersagt, dass ein Modell, das auf gute Ergebnisse trainiert wurde, ihn einholt. Ob die Lektion überall gilt, etwa in unordentlichen Organisationen, in denen niemand sagen kann, was ein gutes Ergebnis ist, ist eine offene Frage.
Ethan Mollicks Musikvideo
Ethan Mollick erklärt die bittere Lektion auf ungewöhnliche Weise in seinem Beitrag The Dot and the Swarm in seinem Blog One Useful Thing: Er ließ KI-Modelle daraus ein Musikvideo machen, Text und Musik von einer KI erzeugt und das Video in Code zusammengesetzt, ganz ohne Bildgenerator. Das Video steht im Beitrag und auch auf YouTube. Dass eine Maschine ein solches Video heute aus einer einzigen Anweisung macht, ist selbst ein kleines Beispiel für die Lektion.
In einem früheren Beitrag, The Bitter Lesson versus The Garbage Can, fragt Mollick, was die Lektion für Unternehmen bedeutet, deren Abläufe alles andere als aufgeräumt sind.
Mehr dazu
Siehe auch
Details
- Niveau
- Einstieg
- Module
- Applications of Artificial Intelligence
- Von
- Richard S. Sutton
- Jahr
- 2019
- Erschienen in
- Incomplete Ideas (Rich Sutton's website)
- Code
6283- Stand
- 4. November 2026
- Status
- veröffentlicht