Probleme zerlegen
Wie man ein Problem, das zu groß zum Lösen ist, in Stücke schneidet, die sich einzeln lösen und prüfen lassen, und warum das auch die Arbeit mit einer KI bestimmt.
Was du lernst
Hier lernst du, ein zu großes Problem in lösbare Stücke zu schneiden, und kannst danach:
- an einem Alltagsbeispiel wie der Planung einer Party erklären, was Zerlegen bedeutet
- mit Teile und herrsche eine Zahl zwischen 1 und 100 in höchstens sieben Ja-Nein-Fragen finden und einen Fehler in einer Kette mit einem Test in der Mitte eingrenzen
- ein Problem zuerst in einer kleineren Fassung lösen und es von dort aus Schritt für Schritt erweitern
- ein Teilstück so formulieren, dass ein eingebauter Test mit Ja oder Nein sagt, ob es fertig ist
- Zuständigkeiten mit klaren Grenzen aufteilen und einem KI-Assistenten kleine Aufträge geben, die ihren Test mitbringen
„Bau eine Chat-App“ löst niemand in einem Stück. Das sagt nichts über dich aus, es ist der Normalzustand jedes interessanten Problems: Große Probleme löst man nicht auf einen Schlag, man schneidet sie, immer wieder, bis die Stücke klein genug sind, um sie zu lösen und zu prüfen.
Das kannst du übrigens schon. Am Samstag hat jemand Geburtstag, dreißig Gäste kommen, und niemand plant „die Party“ als ein Ding. Du schneidest sie sofort in Getränke, Essen, Musik, Gäste und Aufräumen, und dann verteilst du die Stücke. Neu ist hier nur, dass du es mit Absicht machst und weißt, was einen Schnitt besser macht als einen anderen.
Drei Schnittmuster
Es gibt bewährte Arten zu schneiden, und drei davon brauchst du ständig.
Halbieren, bis es leicht ist
Die Informatik nennt das Teile und herrsche, englisch divide and conquer. Denk dir eine Zahl zwischen 1 und 100. Mit Ja-Nein-Fragen, die den Bereich jedes Mal halbieren, findest du jede Zahl in höchstens sieben Fragen: hundert Kandidaten, dann fünfzig, fünfundzwanzig, zwölf, sechs, drei, zwei, gefunden. Die Strategie funktioniert überall, wo du nach jedem Schnitt eine Hälfte ausschließen kannst.
Warum es gerade sieben Fragen sind, hat mit Information zu tun: Jede Ja-Nein-Frage liefert ein Bit, und sieben Bit unterscheiden 128 Möglichkeiten, mehr als die hundert, die es hier gibt.
Derselbe Trick, wenn etwas kaputt ist
Auch das kennst du. Ist das WLAN tot, testest du ohne nachzudenken in der Mitte der Kette: Geht der Hotspot des Handys, liegt es nicht am Laptop, und die Hälfte der Verdächtigen ist weg. Jeder Test halbiert die Kette. Genauso gehst du vor, wenn ein Programm eine falsche Summe ausgibt: Lass dir den Zwischenwert in der Mitte ausgeben; stimmt er, liegt der Fehler dahinter, sonst davor. Wer gut zerlegt hat, weiß nicht nur, dass etwas kaputt ist, sondern wo.
Erst eine kleinere Fassung lösen
Ist ein Problem zu groß, löst du zuerst eine kleinere Fassung, die du wirklich kannst, und wächst von dort aus. Niemand baut einen Gruppenchat als Erstes. Man gibt zuerst eine Nachricht auf dem eigenen Bildschirm aus, schickt sie dann an sich selbst und danach an einen anderen Rechner, und erst am Ende chatten mehrere Menschen miteinander. Jede Stufe ist eine etwas größere Fassung desselben Problems, und auf jeder läuft schon etwas.
Ein guter Schnitt ist prüfbar
Schneiden allein genügt nicht, denn nicht jeder Schnitt ist gleich gut. Vergleiche zwei Sätze: „Ich muss Mathe lernen“ und „Ich löse eine alte Klausur in 90 Minuten“. Beide klingen nach Klausurvorbereitung. Beim ersten weißt du nie, ob du fertig bist; das zweite kannst du heute Abend ausprobieren und bekommst ein Ja oder ein Nein. Ein gutes Stück ist eines, in das ein Test eingebaut ist.
In einem Programm ist es dasselbe. „Die App funktioniert“ ist ein Gefühl. „Ein falsches Passwort zeigt zehnmal von zehn eine Fehlermeldung“ ist ein Test, der mit Ja oder Nein antwortet.
Daraus folgt eine einfache Regel: Fertig heißt, der Test läuft durch, und nicht „sieht gut aus“. Wer eine Aufgabe so schneidet, dass jedes Stück einen eigenen Test hat, muss auf niemanden warten, um zu wissen, ob er fertig ist.
Schnitte sind Absprachen
Wo du schneidest, entscheidet, wie viel ihr reden müsst. „Du machst die Vorspeise, ich den Nachtisch“ funktioniert. „Wir machen beide irgendwie das Essen“ wird Chaos, weil niemand weiß, wer das Brot kauft. Stücke funktionieren, wenn die Grenze zwischen ihnen klar ist, und was über die Grenze geht, wird aufgeschrieben.
Mit einem KI-Assistenten ist das Zerlegen die wichtigste Fähigkeit überhaupt. „Bau mir eine Chat-App“ ist ein großer Wunsch: Der Assistent kann ihn nicht gut erfüllen, und du könntest das Ergebnis nicht einmal prüfen, wenn er es täte. Ein kleines Stück mit seinem Test ist etwas anderes. Es sagt genau, was herauskommen soll, und nennt den Test gleich mit, sodass du die Antwort in zehn Sekunden nachprüfen kannst, ohne dem Assistenten glauben zu müssen.
Du schneidest das Problem, der Assistent löst die Stücke, und du prüfst jedes davon. Was ein geschnittenes Stück braucht, sobald ein Rechner es lösen soll, zeigt Probleme lösen mit Computern.
Wie das LiFi-Projekt in seine Challenges geschnitten ist und wie ihr im Team, bei der Fehlersuche und mit dem Assistenten weiter zerlegt, zeigen die Folien zum Projekt.
Zum Weiterlesen
George Pólya: How to Solve It. Princeton University Press, 1945. Der Klassiker über das Zerlegen von Problemen, geschrieben für die Mathematik und weit darüber hinaus lesbar: das Problem verstehen, einen Plan machen, ihn ausführen und zurückblicken. Seine Fragen („Kennst du ein verwandtes Problem?“, „Kannst du einen Teil davon lösen?“) sind die lange Fassung dieser Seite.
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Details
- Niveau
- Einstieg
- Module
- Digitalisierung und Programmierung
- In Lernpfaden
- Python für Anfänger
- Code
1889- Stand
- 4. November 2026
- Status
- veröffentlicht