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Lektion30 Min.

Analog und digital

Digital heißt nicht elektronisch, sondern endlich viele, klar getrennte Zustände. Eine kleine Störung ändert deshalb einen Wert, aber keinen Zustand, und dorthin führen zwei Schnitte, deren Preis du in Byte und Minuten zählen kannst.

Themen:Information darstellenInformation übertragen

Was du lernst

In dieser Lektion erfährst du am Beispiel einer Lichtstrecke, was digital wirklich heißt und was der Weg dorthin kostet, und kannst danach:

  • digital als endlich viele, klar getrennte Zustände bestimmen und Alltagsdinge wie einen Dimmer, einen Würfel oder eine Fallblattanzeige als analog oder digital einordnen
  • erklären, warum eine kleine Störung einen analogen Wert verändert, einen digitalen Zustand aber nicht, und warum digitale Kopien deshalb das Rauschen nicht erben
  • begründen, warum dieselbe Streuung der Messwerte, die zwei Bereiche mühelos verkraften, bei acht Bereichen Messwerte in den Nachbarbereich schiebt
  • Abtasten und Quantisieren unterscheiden und an Klötzchen oder harten Flecken erkennen, welcher der beiden Schnitte zu grob war
  • die Größe eines Bildes als Punkte mal Bits je Punkt abschätzen und in eine Übertragungszeit umrechnen
  • eine Schwelle im Code setzen, die aus einem Messwert ein Symbol macht, und ihren Wert aus der eigenen Messreihe begründen
In neuem Fenster Als PDF Die Folien sind auf Englisch.

Stell dir die Abfahrtstafel eines Bahnhofs vor, aus der Zeit vor den Chips: Die Fallblattanzeige klappert, bis jeder Buchstabe an seinem Platz ist. Nirgends steckt ein Computer darin, und trotzdem ist die Tafel vollkommen digital, denn jedes Blatt ruht in genau einer seiner Stellungen, und während es umklappt, gibt es dazwischen keinen gültigen Zustand. Deshalb kannst du sie auch aus zwanzig Metern Entfernung lesen, und sie zeigt gleich zu Beginn, worum es in dieser Lektion geht: Digital ist eine Frage der Zustände, nicht der Elektronik.

Endlich viele Zustände, und nichts dazwischen

Die Anzeigetafel aus der Sporthalle, die man von Hand umblättert, ist digital, und dasselbe gilt für den Lichtschalter, den Abakus und den Würfel. Der Rechenschieber, das Zeigerthermometer, der Dimmer und die Sanduhr sind dagegen analog. In keinem dieser Dinge steckt ein Chip, also kann digital nicht elektronisch bedeuten. Umgekehrt gilt es genauso: Ein Verstärker ist elektronisch und trotzdem stufenlos, die Elektronik ist also nur der heute übliche Träger digitaler Zustände.

Eine analoge Größe kann jeden beliebigen Wert annehmen: Zwischen zwei Werten liegt immer noch ein weiterer, und es gibt keine kleinste Stufe. Ein digitales System arbeitet andersherum, und seine Definition erwähnt keinen Strom: Digital heißt endlich viele Zustände, und was dazwischen liegt, zählt nicht.

Die zweite Hälfte dieses Satzes ist die wichtige. Ein Messwert, der irgendwo zwischen den Zuständen liegt, wird einfach dem nächsten Zustand zugeordnet, und deshalb bleibt eine kleine Störung ohne Folgen.

Dieselbe Störung, zweimal

Wie das aussieht, zeigt dieselbe Störung in zwei Welten. Jede hat zwei stehende Skalen von 0 bis 400, links die des Senders und rechts die des Empfängers, sodass der Weg nach rechts läuft und der Wert nach oben. Gesendet wird 300, und unterwegs kommen 23 dazu, sodass beim Empfänger 323 ankommt, der gelbe Punkt; die gestrichelte Linie zeigt, wo 300 gewesen wäre.

Zwei Hälften nebeneinander, jede mit zwei senkrechten Skalen, beschriftet gesendet und empfangen. Auf der linken Skala ein Punkt bei 300, auf der rechten ein gelber Punkt bei 323, dazwischen ein Pfeil mit +23 unterwegs und eine gestrichelte Linie auf der Höhe von 300. Links steht analog: jeder Wert zählt, und rot ein anderer Wert. Rechts steht digital: nur der Bereich zählt; eine waagrechte Grenze bei 200 teilt beide Skalen in dunkel unten und hell oben, beide Punkte liegen im Bereich hell, und grün steht dort noch hell, derselbe Zustand.
Eine kleine Störung ändert den Wert, aber nicht den Zustand.

In einem analogen Signal zählt jeder Wert, der empfangene ist also schlicht ein anderer Wert, und die Störung ist Teil des Signals geworden. In einem digitalen Signal zählt nur der Bereich: Eine Grenze bei 200 teilt beide Skalen in dunkel und hell, 323 liegt genauso im Bereich hell wie 300 und bedeutet deshalb denselben Zustand. Probier es aus:

sent = 300          # the value the sender means
disturbance = 23    # what the way through the room adds
received = sent + disturbance

threshold = 200     # the boundary between dark and bright

def state(value):
    if value > threshold:
        return "bright"
    return "dark"

print("analog:  gesendet", sent, "- empfangen", received)
print("digital: gesendet", state(sent), "- empfangen", state(received))

Analog kommt ein anderer Wert an, digital derselbe Zustand. Setz die Störung auf -120, und auch digital kippt der Zustand, denn jetzt ist die Störung größer als der Abstand bis zur Grenze. Digital macht Störungen also nicht unmöglich, es macht nur alle Störungen folgenlos, die kleiner sind als dieser Abstand.

Der Teil, den kein Programm kontrolliert

Nimm eine Strecke, die Daten mit Licht überträgt. Ein Programm stellt die Helligkeit einer LED mit Zahlen ein, etwa (255, 0, 0) für volles Rot, das Licht durchquert den Raum, und ein Farbsensor am anderen Ende macht daraus wieder Zahlen. Die Strecke läuft also durch drei Zonen, digital, analog und wieder digital.

Links ein Kasten Sender mit den Zahlen 255, 0, 0 darüber und einem leuchtenden gelben Punkt, rechts ein Kasten Sensor mit den drei Messwerten r = 203, g = 41, b = 57. Dazwischen ist das Licht als unruhige Kurve gezeichnet, darüber stehen Umgebungslicht, Spiegelungen, Abstand, Winkel und Sensorrauschen. Gestrichelte Linien teilen das Bild in digital, analog und digital.
Die Mitte ist Physik: stufenlos und gestört, und kein Programm kontrolliert sie.

Die Mitte ist Physik, und vieles stört sie: das Umgebungslicht von den Fenstern und den Deckenlampen, Spiegelungen am Tisch und an der Kleidung, Abstand und Winkel zwischen LED und Sensor und das Rauschen des Sensors selbst, der nie zweimal genau denselben Wert misst. Kein Programm hat darauf Einfluss. Wer diese analoge Mitte vergisst, wird später von jeder Störung überrascht, und wer sie ernst nimmt, weiß, warum man messen muss.

Licht hat keine Stufen, aber dein Programm braucht sie

Das Licht selbst ist analog, denn zwischen zwei Helligkeiten liegt immer noch eine weitere. Das Programm auf der Empfangsseite braucht das Gegenteil, wenige Zustände mit klarem Abstand.

Oben ein Balken mit einem stufenlosen Verlauf von Schwarz nach Weiß, beschriftet mit Licht: zwischen zwei Helligkeiten liegt immer noch eine. Darunter vier getrennte Felder in Schwarz, Dunkelgrau, Hellgrau und Weiß, nummeriert von 0 bis 3, beschriftet mit dein Programm: wenige Zustände, klar getrennt.
Digitalisieren macht aus dem stufenlosen Licht wenige Zustände.

Das Programm bekommt diese Zustände in zwei Schritten: Der Sensor misst und liefert eine Zahl, und das Programm entscheidet, zu welchem Zustand diese Zahl gehört. Mehr steckt nicht im Wort Digitalisieren: ein Signal durch eine endliche Folge von Zahlen darstellen.

Dieselbe Streuung, in mehr Bereiche geschnitten

Zwei Zustände sind sicher, tragen aber wenig je Messung. Vier oder acht Zustände trügen mehr, und wie viele du dir leisten kannst, zeigt ein Bild, das du dir aus dieser Lektion merken solltest.

Drei gleich hohe Säulen, jede der ganze Bereich der Messwerte von niedrig unten bis hoch oben, geteilt in 2, 4 und 8 Bereiche. In jeder liegen sieben weiße Punkte in einem grauen Band knapp über der Mitte, jeder Punkt eine Messung, während dieselbe Farbe kommt. Bei 2 und 4 Bereichen bleibt das Band in seinem Bereich; bei 8 reicht es über beide Grenzen, und drei Punkte sind rot, weil sie im Nachbarbereich liegen.
Die Messwerte streuen so stark wie vorher, aber bei mehr Bereichen landen manche im falschen.

Die senkrechte Achse ist das, was der Sensor meldet, etwa der Messwert des Klarkanals. Jede der drei Säulen ist derselbe Bereich von Messwerten, einmal in zwei, einmal in vier und einmal in acht Bereiche geschnitten, also für ein Alphabet aus zwei, vier oder acht Farben. Jeder Punkt ist eine Messung, während der Sender immer dieselbe Farbe zeigt, und weil die Störungen aus der Mitte nie ruhen, stimmen die Messungen nie genau überein. Das graue Band zeigt, wie weit sie streuen, und es ist in allen drei Säulen gleich breit, denn die Lichtstrecke ist dieselbe.

Von links nach rechts ist nicht die Streuung gewachsen, sondern der Abstand geschrumpft. Der Abstand von der Mitte eines Bereichs bis zur nächsten Grenze ist deine Sicherheitsreserve, und mehr Bereiche verteilen dieselbe Reserve auf mehr Grenzen. Das Programm rechnet dasselbe mit Zahlen nach, mit denselben sieben Abweichungen wie in der Zeichnung:

low, high = 0, 420         # the range of readings
levels = 2                 # try 4 and 8

# how far seven readings of the same colour lay from the value that was sent
scatter = [-16, 30, -41, 8, 43, -21, 19]

width = (high - low) / levels
target = levels // 2       # the region just above the middle
sent = low + (target + 0.5) * width

regions = []
for s in scatter:
    regions.append(int((sent + s - low) // width))

print("Jeder Bereich ist", width, "breit")
print("Von der Mitte bis zur Grenze:", width / 2, "- größte Abweichung:", max(abs(s) for s in scatter))
print("Gelesene Bereiche:", regions)
print("Im falschen Bereich:", len(regions) - regions.count(target), "von", len(regions))

Bei zwei Bereichen liegt die Grenze 105 von der Mitte entfernt, die größte Abweichung beträgt 43, und alle sieben Messwerte landen im richtigen Bereich. Bei vier Bereichen schrumpft der Abstand auf 52,5, was noch reicht, aber nicht mehr großzügig ist. Bei acht sind es nur noch 26,25, und drei der sieben Messwerte landen in einem Nachbarbereich. Die Streuung war jedes Mal dieselbe, nur die Grenzen sind näher gerückt.

Acht Bereiche wären verlockend, denn jede Messung trüge dann drei Bit statt einem, wie Symbole und Information erklärt. Das ist dasselbe Argument, das erklärt, warum Rechner mit zwei Zuständen arbeiten, hier nur auf einen Sensor statt auf eine Leitung angewandt. Die andere Hälfte des Problems steht in Signal und Rauschen: Dort bleibt die Zahl der Symbole gleich, während stattdessen die Streuung der Messwerte gemessen wird, und beide Wege enden an derselben Wand.

Was die weggeworfene Genauigkeit einbringt

Digitalisieren ist eine Einbahnstraße. Sobald ein Messwert einem Bereich zugeordnet ist, kann niemand mehr sagen, welcher der unendlich vielen Werte in diesem Bereich es wirklich war. Dieser Verlust ist kein Versehen, sondern der Preis, und was er einbringt, zeigen zwei Ketten von Kopien.

Zwei Reihen aus je vier Kästen, überschrieben mit Original, Kopie 1, Kopie 2 und Kopie 3 und verbunden durch Pfeile. Oben enthält jeder Kasten eine Welle, die von Kasten zu Kasten zackiger wird, darunter steht Band: jede Kopie übernimmt das Rauschen der letzten und fügt eigenes hinzu. Unten steht in jedem Kasten 0110, darunter Datei: jede Kopie wird gelesen und aus sauberen Bits neu gesetzt.
Jede digitale Kopie entsteht neu aus sauberen Zuständen und erbt das Rauschen deshalb nie.

Oben ein Tonband: Jede Kopie nimmt die Welle der vorigen Kopie auf, mitsamt dem Rauschen, das schon darin steckt, und legt eigenes Rauschen obendrauf. Das Rauschen sammelt sich also an, und die Welle wird von Kopie zu Kopie zackiger. Unten eine Datei: Bei jeder Kopie werden die Bits gelesen, 0110 wird erkannt, und die Kopie wird aus diesen sauberen Bits neu gesetzt, also bleibt 0110 immer 0110. Das Programm kopiert beides zehnmal hintereinander:

import random

random.seed(4)
noise = 0.1                   # how much every copy adds, at most

tape = [0.0, 1.0, 1.0, 0.0]   # the original as a stepless signal
file = [0, 1, 1, 0]           # the original as bits

for copy in range(10):
    # the tape keeps whatever arrives, noise included
    tape = [v + random.uniform(-noise, noise) for v in tape]
    # the file is read again: above the middle counts as 1, below as 0
    file = [1 if v + random.uniform(-noise, noise) > 0.5 else 0 for v in file]

print("Band nach 10 Kopien: ", [round(v, 2) for v in tape])
print("Datei nach 10 Kopien:", file)

Das Band hat sich nach zehn Kopien vom Original entfernt, die Datei ist noch genau [0, 1, 1, 0]. Setz noise auf 0.6, und auch die Datei kippt, denn dann ist eine einzelne Störung größer als der halbe Abstand zwischen 0 und 1.

Jede Störung, die kleiner ist als dieser Abstand, verschwindet beim Ablesen vollständig, und deshalb gleicht auch die tausendste Kopie einer Datei dem Original. Digitale Technik ist also nicht zuverlässig, obwohl sie Information wegwirft, sondern gerade weil sie Information wegwirft.

Zwei Schnitte

Ein Bild zu digitalisieren braucht zwei Schnitte. Der erste Schnitt geht durch die Fläche: Aus dem stufenlosen Bild werden Messpunkte, etwa 16 × 16. Das ist das Abtasten (sampling), und wie fein es ist, heißt Auflösung. Der zweite Schnitt geht durch den Wert: Die Helligkeit jedes Punkts wird auf eine der vereinbarten Stufen gerundet, etwa auf vier Graustufen. Das ist das Quantisieren, und die Zahl der Stufen heißt Farbtiefe. Diese Stufen sind genau die Bereiche aus dem Abschnitt oben, nur auf ein Bild angewendet.

Beide Schnitte werfen Detail weg, aber sie hinterlassen verschiedene Spuren, und daran erkennst du, an welchem Regler du drehen musst. Ein Bild aus sichtbaren Klötzchen hatte zu wenige Punkte, das Abtasten war also zu grob. Ein Bild, dessen weiche Schattierungen in harte Flecken oder Streifen zerfallen, hatte zu wenige Stufen, das Quantisieren war also zu grob. An beiden Reglern selbst drehen kannst du am Foto-Digitalisierer.

Was ein Bild kostet

Eine einzige Rechnung trägt jede Dateigröße: Punkte × Bits je Punkt. Eine Stufe braucht so viele Bits, wie nötig sind, um alle Stufen zu unterscheiden, vier Graustufen brauchen also zwei Bit und 256 Stufen acht, dasselbe kⁿ wie in Stellenwertsysteme. Das Programm rechnet aus, was ein Bild aus 64 × 64 Punkten über eine langsame Strecke kostet, die 30 Bit je Sekunde schafft:

points = 64 * 64
rate = 30   # bits per second

for bits_per_point in [24, 8, 2, 1]:
    size = points * bits_per_point
    minutes = size / rate / 60
    print(bits_per_point, "Bit je Punkt:", size // 8, "Byte,", round(minutes, 1), "Minuten")

In voller Farbe, mit 24 Bit je Punkt, belegt das Bild 12.288 Byte und braucht fast 55 Minuten; in Schwarz-Weiß, mit einem Bit je Punkt, belegt es 512 Byte und braucht wenig mehr als zwei Minuten. Auflösung und Farbtiefe sind damit keine Feinheiten, sondern die beiden Hebel, an denen die Übertragungsdauer hängt: Was du behältst, bezahlst du in Minuten.

Wie weit kannst du gehen?

Mach ein Foto immer gröber, mit 128, 32, 8 und schließlich 2 Punkten je Kante, und irgendwo dazwischen zeigt es nicht mehr, was es gezeigt hat. Wo genau das passiert, darüber werden Menschen streiten, und genau diese Uneinigkeit ist der Punkt: Eine richtige Menge gibt es nicht, nur eine Abwägung gegen die Übertragungszeit, die jemand bewusst treffen muss. Wer ein Bild über eine Lichtstrecke schicken will, steht genau vor dieser Frage, und am Foto-Digitalisierer hier kannst du sie für dich beantworten.

Demo Foto-Digitalisierer

Bedienung: Wähl oben ein Bild, stell mit dem Regler die Auflösung ein, von 256 × 256 Punkten bis zu einem einzigen, und wähl darunter die Farbtiefe. Zeigst du auf einen Punkt des digitalen Bildes, siehst du seine Bits und die Stelle im Original, aus der er entstanden ist.

Dieselben zwei Schnitte beim Ton

Die zwei Schnitte sind kein Bildthema, sondern das Verfahren, und beim Ton sieht man sie an einer einzigen Kurve.

Drei Felder nebeneinander. Links eine glatte Kurve, beschriftet mit die Schallwelle, stufenlos. In der Mitte dieselbe Kurve, blass, mit gestrichelten senkrechten Linien und zwölf Punkten auf der Kurve, beschriftet mit Schnitt 1: Abtasten, 12 Zeitpunkte. Rechts vier waagrechte Stufenlinien, auf die die zwölf Punkte zur nächsten Stufe gerückt sind, beschriftet mit Schnitt 2: Quantisieren, 4 Amplitudenstufen. In jedem Feld zeigt eine Achse nach rechts, beschriftet Zeit, und eine nach oben, beschriftet Amplitude.
Das Abtasten zerlegt die Zeit, und das Quantisieren zerlegt die Amplitude.

Beim Ton zerlegt das Abtasten die Zeit statt der Fläche, und wie oft je Sekunde gemessen wird, heißt Abtastrate. Das Quantisieren zerlegt die Amplitude statt der Helligkeit, also wie weit die Luft gerade ausgelenkt ist, was das Mikrofon in eine Spannung übersetzt; wie fein es die Stufen setzt, heißt hier Bittiefe. Eine CD speichert 44.100 Messungen je Sekunde mit je 16 Bit. Das Programm macht mit der Welle aus der Zeichnung dasselbe wie ihr rechtes Feld:

import math

samples = 12      # cut 1: how many points in time
levels = 4        # cut 2: how many amplitude levels

for i in range(samples):
    t = (i + 0.5) / samples
    value = 0.5 + 0.3 * math.sin(2 * math.pi * t * 1.3 + 0.4) + 0.12 * math.sin(2 * math.pi * t * 3.1 + 1)
    level = round(value * (levels - 1))
    print("Zeitpunkt", round(t, 2), "- Wert", round(value, 3), "- Stufe", level)

Setz levels auf 2, und von der Welle bleibt nur noch laut und leise; setz samples auf 4, und von ihrem Verlauf bleibt fast nichts. Wie das klingt, hörst du am Audio-Digitalisierer hier: Wer die Abtastrate einer Aufnahme herunterdreht, hört, wie eine Stimme blechern wird.

Demo Audio-Digitalisierer

Bedienung: Wähl oben einen Klang, stell mit dem Regler die Abtastrate und darunter die Bittiefe ein und vergleich mit den Knöpfen das Original mit deiner digitalen Fassung, am besten mit Kopfhörern. Am deutlichsten hörst du die Schnitte bei 2.000 Hz oder bei 2 Bit.

Wo dein Alphabet entsteht

Die einfachste Entscheidung kennt zwei Zustände. Ein Programm, das Helligkeitswerte liest, vergleicht jeden mit einer Schwelle, und alles darüber gilt als hell ("bright"), alles andere als dunkel ("dark"):

readings = [412, 398, 87, 405, 92, 79, 401, 388, 95, 410]
threshold = 250

symbols = []
for value in readings:
    if value > threshold:
        symbols.append("bright")
    else:
        symbols.append("dark")

print(symbols)

An diesem einen Vergleich werden aus Hunderten möglicher Messwerte zwei Symbole. Die Schwelle ist keine Naturkonstante, sondern eine Entscheidung, und von hier an gilt die Entscheidung, nicht die Physik. Setz sie auf 400 und lass das Programm noch einmal laufen: Die Werte 398 und 388, die eindeutig zu hell gehören, zählen plötzlich als dunkel. Wohin eine Schwelle gehört, ist deshalb keine Gefühlssache, sondern eine Frage der Messreihe: Erst misst du, was hell und dunkel wirklich liefern, dann legst du die Schwelle dazwischen (Messen und Experimentieren).

Mit mehr Farben gilt dasselbe für jede Grenze. Zwei Farben sind sicher, und acht sind schnell, und irgendwo dazwischen liegt euer Alphabet. Wo genau, wissen nur eure eigenen Messungen, denn die Breite eines Bereichs muss zur Streuung der Messwerte passen, und wie weit sie streuen, weiß nur, wer sie gemessen hat.

Zum Mitnehmen

  • Digital heißt endlich viele, klar getrennte Zustände ohne gültige Zwischenwerte; Elektronik ist nur der übliche Träger.
  • Eine kleine Störung ändert einen analogen Wert, aber keinen digitalen Zustand, solange sie kleiner ist als der Abstand bis zur nächsten Grenze.
  • Zwischen Sender und Sensor ist jede Strecke analog; erst eine Messung und eine Entscheidung machen sie wieder digital.
  • Mehr Bereiche tragen mehr je Messung, rücken die Grenzen aber näher an dieselbe Streuung, sodass zwei Bereiche sicher sind und acht schon zu viele sein können.
  • Weggeworfene Genauigkeit ist der Preis der Robustheit: Digitale Kopien entstehen bei jedem Ablesen neu und erben das Rauschen nicht.
  • Digitalisieren braucht zwei Schnitte, Abtasten (Auflösung oder Abtastrate) und Quantisieren (Farb- oder Bittiefe), und ein Bild kostet Punkte × Bits je Punkt.
  • Eine Schwelle oder eine Einteilung in Bereiche ist eine Entscheidung, und sie gehört dorthin, wo eine Messreihe sie hinlegt.

Quiz: Analog und digital

Was bedeutet es, wenn eine Größe „analog“ ist?

  • Sie ändert sich stufenlos: Zwischen zwei Werten liegen immer noch weitere.
  • Sie stammt aus einem Gerät, das ohne Rechner und Programm auskommt, etwa aus einem Verstärker oder einem Plattenspieler.
  • Sie gehört zu einer älteren, mechanischen Technik, so wie bei der analogen Fotografie oder der Schallplatte.
  • Sie lässt sich nur ungefähr bestimmen: Ihr Wert ist nie exakt, sondern immer nur eine Schätzung.

Was zeichnet ein digitales System aus?

  • Es arbeitet elektronisch: Seine Zustände werden durch Strom oder Spannung dargestellt.
  • Es kennt nur endlich viele, klar voneinander getrennte Zustände.
  • Es ist automatisch genauer als ein analoges System.
  • Es speichert Informationen als Zeichen und Text, sodass ein Mensch sie im Prinzip lesen könnte.

Ein Signal trägt dreimal dasselbe Rauschen, nur die Zahl der Bereiche, in die es geteilt wird, wächst von zwei über vier auf acht. Warum werden die Messwerte trotzdem unsicherer, je mehr Bereiche es gibt?

  • Weil das Rauschen mit jeder zusätzlichen Grenze zunimmt: Jede Grenze bringt ihre eigenen Störungen ins Signal.
  • Weil der Abstand zwischen den Bereichen schrumpft, bis dieselbe Störung in den Nachbarbereich reicht.
  • Weil der Sensor bei feinen Stufen ungenauer misst: Kleine Unterschiede zwischen Nachbarbereichen kann er nicht mehr sauber auflösen.
  • Weil mehr Bereiche mehr Rechenzeit kosten und dabei Messwerte verloren gehen.

Beim Digitalisieren wird ein stufenloser Wertebereich in endlich viele Bereiche geteilt. Welche Aussagen treffen zu?

  • Alle Werte innerhalb desselben Bereichs gelten danach als ein und derselbe Zustand.
  • Mit genügend vielen Stufen verschwindet der Unterschied zur analogen Größe vollständig.
  • Beim Digitalisieren wird das Signal von Störungen befreit, weil danach nur noch der Bereich zählt und nicht mehr der genaue Wert.
  • Aus der digitalen Fassung lässt sich der ursprüngliche exakte Wert nicht zurückgewinnen.
  • Digitalisieren funktioniert nur bei Signalen wie Licht und Ton, die sich als Welle beschreiben lassen.

Digitale Technik wirft beim Digitalisieren Information weg und ist trotzdem zuverlässiger als analoge. Warum?

  • Weil die wenigen Zustände weit auseinanderliegen: Eine kleine Störung ändert den Zustand nicht und ist beim nächsten Ablesen spurlos verschwunden.
  • Weil digitale Bauteile nicht rauschen: Sie schalten nur zwischen an und aus, und dabei entsteht keine Störung.
  • Weil weniger Information übertragen wird und dadurch weniger Fehler passieren können.
  • Weil Computer Fehler automatisch erkennen und herausrechnen, sobald ein Wert nicht zu den umliegenden passt.

Ein Programm liest einen Helligkeitswert von einem Sensor und vergleicht ihn danach mit einer Schwelle. Was leistet der Vergleich value > 250 im Sinn des Digitalisierens?

value = sensor.read()

if value > 250:
    symbol = "bright"
else:
    symbol = "dark"
  • Er wandelt das analoge Licht in einen digitalen Wert um, denn erst nach dem Vergleich liegt ein echter digitaler Zustand vor.
  • Er misst die Helligkeit ein zweites Mal, zur Kontrolle, damit ein Ausreißer der ersten Messung nicht durchrutscht.
  • Er zieht die Grenze, die viele mögliche Zahlenwerte auf zwei bedeutungstragende Zustände reduziert: Hier entsteht ein Alphabet.
  • Er erhöht die Genauigkeit des Messwerts, weil aus einem schwankenden Zahlenwert ein eindeutiges Ergebnis wird.

Eine Musikkassette verliert bei jedem Überspielen hörbar Qualität, eine kopierte Datei ist auch nach der tausendsten Kopie identisch. Warum?

  • Weil Dateien komprimiert gespeichert sind und beim Kopieren deshalb weniger Daten kaputtgehen können.
  • Beim digitalen Kopieren werden Zustände abgelesen und frisch gesetzt; kleine Störungen unterhalb des Abstands zwischen den Zuständen verschwinden dabei jedes Mal vollständig.
  • Weil Computer viel schneller kopieren als ein Kassettendeck, bleibt kaum Zeit, in der sich Störungen einschleichen können.
  • Weil Dateien beim Kopieren nicht neu geschrieben, sondern nur verknüpft werden; eine zweite Fassung entsteht also gar nicht.

Was heißt es, ein Signal zu „digitalisieren“?

  • Es durch eine endliche Folge von Zahlen darstellen.
  • Es in eine Form bringen, die sich über das Internet übertragen lässt.
  • Es verkleinern, damit es weniger Speicher braucht.
  • Es mit einem elektronischen Gerät aufnehmen statt mit einem mechanischen.

Eine Strecke überträgt Daten mit Licht: Ein Programm stellt die Helligkeit einer LED mit Zahlen von 0 bis 255 ein, und ein Farbsensor am anderen Ende macht aus dem Licht wieder Zahlen. Wo verläuft die Grenze zwischen analog und digital?

  • Schon am Sender: Weil die LED mit Zahlen von 0 bis 255 angesteuert wird, ist auch ihr Licht digital.
  • Erst im Programm auf der Empfangsseite, wenn es den Messwert mit einer Schwelle vergleicht.
  • Im Farbsensor: Er setzt das stufenlose Licht in Zahlen um, und ab dort rechnet alles mit Zahlen.
  • Nirgends: Die ganze Strecke ist digital, weil an beiden Enden Computer stehen.

Welche dieser Dinge arbeiten im Sinn dieses Konzepts digital, also mit endlich vielen, klar getrennten Zuständen?

  • Ein stufenloser Lichtdimmer
  • Ein Lichtschalter mit an und aus
  • Ein Zeigerthermometer
  • Ein Würfel
  • Eine Sanduhr

Du entwirfst ein Alphabet aus Farben für eine Strecke, die Daten mit Licht überträgt, und legst fest, wie viele Farben es hat. Was ist der Kern dieser Entscheidung?

  • Ein Tauschgeschäft: Mehr Farben tragen mehr je Messung, rücken die Bereiche aber enger zusammen, und wie viele sicher sind, entscheiden Messungen.
  • Mehr Farben lohnen sich, weil jede Messung dann mehr Bits trägt und die Übertragung entsprechend schneller wird.
  • Zwei Farben sind die sichere Wahl, weil der größte Abstand die wenigsten Fehler bringt und ein Fehler mehr kostet als etwas Tempo.
  • Die Zahl ist Geschmackssache, solange sauber kalibriert wird: Die Kalibrierung legt die Grenzen dorthin, wo sie sicher liegen.

Beim Digitalisieren eines Fotos entstehen aus dem stufenlosen Bild 64 × 64 Bildpunkte mit je 256 Helligkeitsstufen. Welcher der beiden Schritte ist das Abtasten?

  • Das Runden jeder Helligkeit auf eine der 256 vereinbarten Stufen.
  • Das Umrechnen der fertigen Stufenwerte in Binärzahlen.
  • Das Zerlegen der stufenlosen Bildfläche in die 64 × 64 Messpunkte.
  • Das Speichern der Bildpunkte in einer Datei mit Kopfdaten.

Ein Graustufenbild wird mit 100 × 100 Bildpunkten und 8 Bit je Bildpunkt digitalisiert. Wie groß ist die entstehende Datei?

  • 80.000 Byte, denn 100 · 100 · 8 ergibt 80.000.
  • 10.000 Byte, denn 100 · 100 · 8 = 80.000 Bit, und 8 Bit sind ein Byte.
  • 30.000 Byte, denn jeder Bildpunkt braucht drei Farbkanäle zu je einem Byte.
  • 1.250 Byte, denn die 100 · 100 Bit werden noch durch 8 geteilt.

Ein digitalisiertes Foto zeigt deutlich erkennbare Klötzchen, die Farben innerhalb der Klötzchen wirken aber natürlich und fein abgestuft. Welcher Schritt der Digitalisierung war zu grob?

  • Das Abtasten: zu wenige Bildpunkte für die Fläche.
  • Das Quantisieren: zu wenige Stufen je Farbkanal.
  • Die Übertragung: Beim Kopieren der Datei hat sich Rauschen aufaddiert.
  • Beide Schritte gleichermaßen: Klötzchen entstehen immer aus dem Zusammenspiel.

Warum digitalisiert man ein Bild nicht einfach immer mit höchster Auflösung und 24 Bit Farbtiefe, bevor man es über eine langsame Strecke mit 30 Bit je Sekunde schickt?

  • Weil ein Farbsensor auf der Empfangsseite nur drei Kanäle misst und deshalb höchstens 3 Bit je Bildpunkt ankommen können.
  • Weil sich große Dateien beim Übertragen stärker verrauschen als kleine.
  • Weil mehr als 8 Bit Farbtiefe auf dem Bildschirm des Empfängers nicht darstellbar sind.
  • Weil jeder Bildpunkt und jede Stufe Bits kostet und ein großes Bild bei 30 Bit je Sekunde Stunden bräuchte.

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Details
Niveau
Einstieg
Module
Digitalisierung und Programmierung
Code
9684
Stand
4. November 2026
Status
veröffentlicht

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